Mechtild Nolteernsting
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Bericht
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Porträt: Die Trauerrednerin
Erstellt 30.10.2013

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Von Philip Sagioglou

Mechtild Nolteernsting übt einen ungewöhnlichen Beruf aus. Die 56-jährige  Pulheimerin hat sich vor acht Jahren aus freien Stücken dazu  entschieden, selbstständige Trauerrednerin zu werden. Der Start ins  Berufsleben war schwieriger als erwartet.
Wenn Mechtild  Nolteernsting arbeitet, dann sind andere Menschen traurig. Das klingt  nicht nach einem Traumberuf, aber die 56-jährige Pulheimerin hat sich  vor acht Jahren aus freien Stücken dazu entschieden, selbstständige  Trauerrednerin zu werden. “Was diesen Beruf so wertvoll macht, ist,  dass die Menschen immer sofort auf einen reagieren und man ihre  Dankbarkeit unmittelbar spüren kann, wenn man sie erreicht und  verstanden hat in ihrer Trauer”€, sagt Nolteernsting. Sie klingt, als  habe sie ihre Bestimmung gefunden.
Dabei war der Anlass ihrer  Berufswahl ein trauriger: Vor dreizehn Jahren starb vollkommen  unerwartet ihr Mann. “Ich kann deshalb immer nachfühlen, wie es den  Menschen in ihrer Trauer geht. Das hilft, die Menschen zu verstehen, und das ist das Wichtigste”€, sagt Mechtild Nolteernsting heute. Damals  hatte sie nur das erste Staatsexamen in Chemie und Theologie  abgeschlossen - für das Arbeitsamt galt die zweifache Mutter als  ungelernte Kraft. “Ich musste aber dann ja Geld verdienen gehen”€, sagt sie. Plötzlich. Im Alter von 43 Jahren. Also studierte sie noch einmal: Diplompädagogik mit dem Schwerpunkt: Erwachsenenbildung.
Während  dieser Zeit belegte sie unter anderem das Seminar “Der Tod - ein  Tabuthema in der Pädagogik”€ und absolvierte anschliessend eine  Ausbildung zur Trauerbegleitung.
Dann ging alles sehr schnell. “Ein Bestatter hat mich angerufen und gesagt, dass er unbedingt eine  Trauerrednerin braucht. Ich habe mir eine halbe Stunde Bedenkzeit  erbeten”€, sagt Nolteernsting. Sie mähte in Ruhe ihren Rasen fertig,  “und dann habe ich gesagt: ich mache das jetzt einfach.”€ Die erste  Erfahrung war “für beide Seiten unglaublich gute”€,  erzählt Nolteernsting. Sie fühlte sich bestätigt.
Doch der Start ins  Berufsleben war schwieriger als erwartet. Die Branche  ist unübersichtlich, da Trauerredner beinahe ausschliesslich über  Bestatter empfohlen werden. €”Es ist natürlich schwierig, für den Job  Werbung zu machen”€, sagt Nolteernsting. Hinzu kommt: Frauen erhalten  weniger Aufträge als Männer. “Ich denke aber, dass man als Frau eine  ganz andere emotionale Schiene mitbringt, was das Einfühlungsvermögen  angeht. Oft sagen Bestatter aber: Es hat keiner eine Frau gewollt.”  Gegen diesen Umstand kämpft sie nach wie vor an - doch sie bleibt  hartnäckig. Und kann seit 2012 von ihrem Verdienst und der Witwenrente  leben. Doch wie geht sie vor, wenn sie als Trauerrednerin gebucht wird?  “Ich versuche, ganz genau auf alles zu achten und auch das zu hören,  was mir die Menschen zwischen den Zeilen erzählen”€, sagt Nolteernsting.  “Die Menschen befinden sich in einer Grenzsituation, in den meisten  Fällen öffnen sie sich aber und erzählen unglaublich viel.”€ Auf  ihrer Internetseite hat sie Aussagen von Angehörigen veröffentlicht -  die Resonanz ist überwältigend.
Doch fehlt ihr nicht das positive  Umfeld, wenn sie beruflich nur mit Menschen in Kontakt ist, die trauern? “Manchmal geht es mir schon so, dass der Akku leer ist, wenn die  Dinge mich zu sehr berühren”€, sagt Nolteernsting. “Aber ich habe schon oft Menschen mit Ende 80 oder Anfang 90 beerdigt - das sind dann  wunderschöne Unterhaltungen mit den Angehörigen, in denen ich erfahre,  wie erfüllt ein Leben sein kann.”€
Überhaupt werde in den  Vorgesprächen immer wieder gelacht, wenn die Angehörigen über die  Marotten der Verstorbenen erzählten. Und nicht selten ist es passiert,  dass die Menschen bei den Reden schmunzeln, lächeln und ihre Trauer  einen Moment lang vergessen. Gleichwohl überlegt Mechtild Nolteernsting, ihr berufliches Portfolio zu erweitern: Sie will freie Trauungen  anbieten. Dann würde sie auch arbeiten, wenn andere Menschen glücklich  sind.